Als ich den japanischen Künstler Uemura Keijiro traf
Kyoto ist eine faszinierende Stadt. Unzählige Schreine und Tempel, die mittelalterliche Architektur und Parks, die einen bezaubern, finden sich auf engstem Raum. Paläste, die von einer reichen Geschichte erzählen, die ausgefeilte Kunst der Geishas, Künstlerinnen und Kulturträgerinnen, und die Teezeremonie sind nur die offensichtlichen Vorzüge dieser Stadt. Doch es gibt auch immer wieder unerwartete Begegnungen, Momente, die den Zauber dieses Ortes verstärken.
In der ehemaligen Hauptstadt, einst Sitz des kaiserlichen Hofes, lernte ich den Künstler Uemura Keijiro kennen. Die Begegnung war ein wahrer Ichi-go-ichi-e Augenblick. Das Wort beschreibt das japanische Konzept, die Einmaligkeit eines Momentes zu erkennen und schätzen zu wissen.
Es war ein sonniger Tag in der Altstadt von Kyoto. Wir schlenderten durch die belebten Gassen Richtung Kiyomizudera Tempel mit seiner atemberaubenden Aussicht. Besonders auf die Gojo-Straße hatte ich mich schon sehr gefreut. Wir kannten sie von unserem ersten Aufenthalt in Japan und wollten uns auf die Keramikläden konzentrieren, die uns schon beim ersten Besuch „gezwungen“ hatten, einen weiteren Koffer zu kaufen, um die erworbenen Schätze nach Hause zu transportieren. Wir waren begeistert.
Im Besonderen von dem Geschäft „Asahi Art Salon“. In diesem Kunstsalon finden Lesungen statt, stellen Künstler aus und lässt sich das ein- oder andere Schmuckstück der „Ton“-Kunst erwerben. Die offen gestalteten Räume laden zu einem Rundgang ein. In einem der Ausstellungsräume saß ein quirliger Mann vor einer noch feuchten Tonarbeit. Wir schauten ihm neugierig über die Schulter und entdeckten eine Katze, die versuchte eine Ton-Fliege an einem Metallstab „zu fangen“. Wir konnten buchstäblich „sehen“, wie aus einem klumpen Ton eine lebendige Figur wurde. Neugierig schaute die Katze der Fliege nach, die der Künstler vor ihren Augen hin- und her fliegen ließ. Naja, sie war eine Katze aus Ton. Aber die Illusion war perfekt. Der Künstler war Uemura Keijiro.
Neugierig geworden, betrachteten wir die herrlichen Stücke der Ausstellung, die die Künstlerhände schon fertig gestellt hatten. Becher mit den Konterfeis junger Meikos und Geishas hatten es mir besonders angetan. Sie schauten spitzbübisch von dem glänzenden Ton herunter. Jede mit individuellem Ausdruck und Charme. Ich verliebte mich gleich und erstand ein paar Stücke.
Da gab es auch noch kleine Teetassen, in denen fette Kois schwammen, Vasen, aus denen Echsen oder Saurier lugten und weitere Tierskulpturen. Uemura Keijiro gesellte sich zu uns und erklärte uns einige seiner Stücke. Als er unser Begeisterung spürte, holte er die Fliege aus Ton, und vollführte denselben Tanz, den er zuvor mit der Katze aufgeführt hatte, mit mir. Ich spielte mit und es war ein sehr lustiger Moment, in dem ich der Fliege folgte, als wäre ich eine Katze.
Im Folgenden entstand die lustige Bilderserie, fotografiert von Ralph Fritze, in der man sehr gut sehen kann, wie charismatisch und sympathisch Uemura Keijiro ist. Bei unserem nächsten Japanaufenthalt werden wir ihn auf jeden Fall in der Präfektur Kumamoto besuchen. Dort kann man in seiner Werkstatt einen Workshop belegen und am selben Tag ein Werkstück mit nach Hause nehmen. Eine besondere Brenntechnik macht es möglich. Was seine Kunst heraushebt, ist die Liebe zum Detail, der Witz, der aus ihm heraus direkt in seine Werke strömt und die besonderen Motive. Auf Instagram Account ichimu_anne kann man seine fantasievollen, einzigartigen Skulpturen entdecken. Schaut doch einmal rein.
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